"[...]
A new Pentagon survey of the mental health of deployed US Army and Marine Corps troops in Iraq released Friday shows that a significant percentage approve of abusing and even torturing Iraqi non-combatants, finding that "only 47 percent of soldiers and 38 percent of Marines agreed that non-combatants should be treated with dignity and respect. More than one-third of all soldiers and Marines reported that torture should be allowed to save the life of a fellow soldier or Marine" or to obtain important information about insurgents. The survey also found that "10 percent of soldiers and Marines reported mistreating noncombatants or damaging property when it was not necessary" and that "less than half of soldiers or Marines said they would report a team member for unethical behavior."
[...]"
Ausführlich wird dieses Thema auf den S. 34 ff. des Berichts abgehandelt. Nicht nur, daß einem Teil der einfachen Soldaten die Maßstäbe für ethisch richtiges Verhalten - und damit die Beachtung des Kriegsvölkerrechts - abhanden gekommen zu sein scheinen. Das ganze ist auch ein Führungsproblem, denn ein Drittel der befragten Marines und ein Viertel der Soldaten haben angegeben, daß sie von ihren Vorgesetzten nicht klar darauf hingewiesen worden seien, daß man Nicht-Kombattanten nicht mißhandeln dürfe (vgl. S. 37).
Aus der Studie lassen sich zwei Schlußfolgerungen ziehen.
Die erste kommt schon in der Überschrift zum Ausdruck. Ein nicht zu vernachlässigender Teil der im Irak eingesetzten US-Soldaten hat Probleme mit der Ethik des Kriegshandwerkes. Dies ist allerdings deshalb hochproblematisch, weil dieser Krieg - ausweislich amtlicher Verlautbarungen der US-Regierung - ein Krieg gegen die "Achse des Bösen", ein Kampf für "Freiheit, Demokratie und Menschenrechte" sei und daß man das arme irakische Volk von seinem bösen Diktator befreit und ins helle Licht der "westlichen Werte" geführt habe. Man hat also, nach seinem eigenem Verständnis, ein gutes Werk getan. Anstatt nun aber die eigenen, hehren Prinzipien zu beobachten und ihre "Werte" den Irakern beispielhaft vorzuleben, passiert in den US-Streitkräften etwas, was in einem länger andauernden Krieg - inbesondere in einem asymmetrischen - wohl überall die Regel sein dürfte: es kommt zu einer gewissen Verrohung.
Nur - wie paßt dies dann noch zu einem 'Kampf für das Gute'? Wenn man also die US-Streitkräfte mit den von ihrer politischen Führung proklamierten hohen Maßstäben mißt, wird man wohl ein teilweises Versagen konstatieren müssen. Und das Schlimmste ist, daß sich - wie in My Lai - auch hier wohl für jeden Vorfall alsbald die Entschuldigungen der gleichen Moralisten finden werden, die sonst zu Kreuzzügen aufrufen. Diese Bigotterie ist nicht nur auf eine ekelhafte Weise heuchlerisch, sondern auch politisch schädlich. Besorgnis allein wird hier keine Abhilfe schaffen.
Damit sind wir beim zweiten Punkt, der eher politischer Natur ist. Der Bericht zeigt implizit, daß auch die Soldaten vor Ort nicht mehr an einen Sieg im Irak glauben. Die Enttäuschung in ihren Reihen war schon groß, als es nach dem Sturz Saddam Husseins nicht zu großen Jubelausbrüchen über diese Befreiung gekommen ist. Und die seither andauernden Kämpfe haben die Truppenmoral weiter verschlechtert. Die Soldaten sehen sich selbst nicht als Befreier und Demokratisierer; ihr oberstes Ziel ist das eigene Überleben, über die Zukunft des Irak machen sie sich keine Sorgen. Sie fühlen sich selbst als Besatzer (womit sie mit einem großen Teil der irakischen Bevölkerung konform gehen dürften) und verhalten sich auch dementsprechend. Ob dabei evtl. unbeteiligte irakische Zivilisten zu Schaden kommen, ist irrelevant. Die politischen Ziele, die mit dem Irakkrieg ursprünglich verbunden waren, sind den Soldaten längst aus dem Blick geraten.
Dieser Krieg ist bereits verloren, einen noch deutlicheren Beleg dafür kann es kaum geben.




1 Kommentare:
Eine Armee ist das Spiegelbild der Gesellschaft aus der sie "ausgehoben" wird. Erschwerend kommt hinzu, dass bei einer "Berufsarmee" in der Regel nur bestimmte Gesellschaftsschichten für den "Dienst an der Waffe" gewonnen werden können, bei einer "Wehrpflichtarmee" (sofern die Dienstpflicht nicht durch Schmiergelder abgewendet werden kann) bekommt man wenigstens noch einen "Querschnitt" durch die entsprechende Gesellschaft.
In einer Gesellschaft, insbesondere den USA, ohne sozialem Netz und sozialer Gerechtigkeit gibt es für Angehörige der Unterschicht nur selten eine Alternative zur Armee.
Freie medizinische Versorgung, drei warme Mahlzeiten am Tag und rudimentäre Bildungsprogramme für Armeeangehörige sind gewaltige Motivationsfaktoren wenn als Alternative nur die Obdachlosigkeit oder soziale Not und Armut existieren.
Die gebildete Oberschicht kann für eine Berufsarmee nur im geringen Maße gewonnen werden. Entweder aus Familientradition oder aus dem Gedanken heraus, einen militärisch-patriotischen Dienstgrad dem Lebenslauf hinzufügen zu müssen um in einer militärisch-patriotischen Gesellschaft "Karriere" machen zu können.
Hammse jedient ? Wo hammse jestanden ? Preußen lässt grüßen.
Eine Gesellschaft, wie die amerikanische, die durch und durch xenophobisch eingestellt ist (You ain't American ? You ain't shit !), bringt schwerlich Soldaten hervor die sich für das Kriegsvölkerrecht, die Genver Konvention oder die Haager Landkriegsordnung interessiert.
Wer den amerikanischen "Army Talk" kennt, der stellt fest, dass Amerikaner grundsätzlich nicht gegen einen "Feind" ins Feld zieht. Er zieht gegen einen "Untermenschen" ins Feld.
Iraker sind keine Iraker, es sind "Lumpenköpfe" (ragheads), Afghanen sind keine Afghanen, es sind "Kamelficker" (camelfucker).
Deutsche waren "Krautfresser" und "Hunnen", Japaner waren "Reisfresser". Vietnamesen waren "Schlitzaugen" .... .
Solche Begriffe sucht man in der deutschen Militärgeschichte vergebens. Russen waren "Iwans", Engländer waren "Tommies" und Amerikaner "Amis".
Wohl gemerkt, ich spreche nicht von der "offiziellen Propagandamaschine" sondern vielmehr vom Sprachgebrauch des "Landsers".
Wer seine Staatsbürger, von Kindheit an, mit einem Überlegenheitskomplex füttert, wer seinen Staatsbürgern vermittelt sie gehören der einzigen freien und demokratischen Nation auf diesem Planeten an, der züchtet Soldaten heran die jeglichen Respekt vor ihrem Gegner bereits verloren haben bevor sie die Uniform überhaupt angezogen haben.
Eine solche Armee braucht ihren Soldaten ein Unrechtsbewußtsein nicht "abzutrainieren" wenn das "Menschenmaterial" ein solches Unrechtsbewußtsein erst garnicht mitbringt.
Man braucht sich auf der amerikanischen Blogosphäre nur umschauen, da wimmelt es von Apologeten. Das Fehlverhalten der eigenen Truppen wird entweder strikt ignoriert oder sofort mit dem Fehlverhalten anderer verglichen ... "Die Anderen, die sind doch viel viel schlimmer. Und außerdem sind wir Amerikaner, die einzige Supermacht auf diesem Planeten, wir dürfen das."
Kommentar veröffentlichen