Donnerstag, 7. Juni 2007

"Chinas Griff nach Afrika"

Gestern hat das ZDF eine sehenswerte Reportage über das chinesische Engagement in Afrika ausgestrahlt (hier auch als Video):

"[...]

Nahezu unbemerkt von der Weltöffentlichkeit hat ein globaler Wettlauf um die Märkte und Ressourcen Afrikas begonnen. Während die G8 Staaten um Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung des Schwarzen Kontinents ringen, verdrängt China mit Milliardeninvestitionen und konkurrenzlos billigen Krediten die alten Kolonialmächte aus Afrika.
Mit offensiver Entwicklungshilfe, geschickter politischer Taktik und strategischer Partnerschaft sichert sich das Reich der Mitte die Gunst der armen Länder, erschließt sich Rohstoffquellen, Zukunftsmärkte und Einfluss.

[...]"
Diese Entwicklung ruft in den EU-Staaten seit etwa anderthalb Jahren ernste Besorgnis hervor. Man fürchtet nicht nur den Schaden für die eigene Wirtschaft, sondern ebenso den Verlust des politischen Einflusses in Afrika. Während die Europäer (und Amerikaner) zaudern, handelt China und schafft Fakten. Doch nicht nur die Ostasiaten, auch die Afrikaner verfolgen eine kluge Strategie.

Mich haben vor allem die Interviews mit den europäischen Unternehmern und Ingenieuren, die in Afrika tätig sind, beeindruckt. Diese Männer machen klar, daß die europäische Zurückhaltung einer der wesentlichen Gründe für das Vordringen der Chinesen war. Wir, satt und zufrieden, sitzen lieber daheim, halten uns (fast wie in der alten Kolonialherrlichkeit) für den 'Nabel der Welt' und dozieren über "westliche Werte" und/oder die Globalisierung, während letztere von China in die Tat umgesetzt wird - allerdings ganz anders, als die Träumer von der "McDonaldisierung der Welt" geglaubt haben. Dabei müßten gerade die Deutschen, deren Volkswirtschaft nicht unwesentlich vom Export abhängt, in die Offensive gehen. Aber was machen wir? Wir lamentieren darüber, daß die Chinesen den Export unserer 'Werte' nach Afrika gefährden würden. Selbst schuld.

Einen positiven Aspekt hat die Debatte über dieses Thema auf jeden Fall. Wohl niemand, der ernstgenommen werden will, wird den multipolaren Charakter der derzeitigen Weltordnung mehr bestreiten können.
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Foto: ZDF

2 Kommentare:

Heribert Schindler hat gesagt…

Ich konnte die Sendung leider nicht sehen, vermute aber, dass dies ein Bericht war welcher bereits in der Vergangenheit einmal gesendet wurde. Der ZDF-Beschreibung nach glaube ich ihn zu kennen.

Die Chinesen sind clevere und toughe Geschäftsleute. Meine Frau wird von ihrem Arbeitgeber "aufs China-Geschäft" vorbereitet und hat gerade ein "Interkulturelles Training China" absolviert und kann ein Lied davon singen.

Die Chinesen haben in Afrika einen großen Vorteil ... sie waren nie Kolonialmacht sondern vielmehr selbst lange "kolonialisiert". Außerdem sind die Chinesen die Meister "des zweiten Gesichts", viel professioneller als die Japaner in der Technik "das Gesicht zu wahren".

Den Afrikanern ist die koloniale Arroganz der "Weißen Herren" noch deutlich in Erinnerung und die begabten Chinesen verstehen die koloniale Karte auszuspielen.

Mit den Chinesen werden "wir" noch viel Spaß bekommen ... also, ziehen wir uns langsam mal ganz waaarrrrmmm an. ;-)

jsrn hat gesagt…

vielen Dank für den Hinweis, habe mir gerade den Beitrag angesehen...